Chefarzt Dr. med. Peter Eich und Dr. Mahmoud Makarem arbeiten partnerschaftlich zusammen.

Sonderschichten für Flüchtlinge in der Radiologie

Sonder-Situation hat auch Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb

Die Flüchtlingsproblematik ist in aller Munde und beschäftigt Land auf, Land ab viele Menschen auf unterschiedliche Weise. Der  anhaltende Zustrom erfordert Erfindungsreichtum und Spontanität einerseits, vor allem aber Struktur und Sicherheit auf der anderen Seite. Besondere Bedeutung kommt dabei der medizinischen Versorgung, der Kontrolle, Vorsorge und der Einhaltung von Hygienestandards bei.

Als regionaler Vollversorger ist auch das Sankt Antonius Hospital Gronau davon betroffen. Wenn auch bislang noch keine Besonderheiten oder ungewöhnlichen Fälle im Gronauer Krankenhaus auftraten, ist doch eine hohe Belastungssituation, insbesondere in der Radiologie, vorhanden. Dazu berichtet Chefarzt Dr. med Peter Eich:

„Für uns in der Radiologie ist das enorme Pensum nur durch Sonderschichten zu schaffen. Jeder einreisende Flüchtling wird vom Roten Kreuz oder einem Allgemeinmediziner voruntersucht und dann zur röntgenologischen Untersuchung zu uns geschickt. Zu Beginn der Flüchtlingswelle konnten wir den zusätzlichen Aufwand in unseren Tagesablauf integrieren. Wir möchten ja gerne für die Flüchtlinge da sein und ihnen helfen. Als aber kürzlich am späten Sonntagabend spontan 200 Flüchtlinge zu uns gebracht wurden, kamen wir schon an unsere Grenzen.

Zum Glück sind wir im Team sehr motiviert und flexibel. Wir helfen, wo wir können und wir haben es mit Sonderschichten hinbekommen, aber wenn man ungeplant die ganze Nacht hindurch bis morgens um 4:00 Uhr Menschen untersucht, ist das schon eine extreme Situation für alle. Dabei freut es mich besonders, dass alle im Team mitmachen und zur Stelle sind. Es geht um die Menschen, für die es sicher auch nicht einfach ist und die nur mit einem Laufzettel in der Hand und ihrem Pass zu uns geschickt werden. Weitere Informationen haben wir meist nicht. Wo kommen die Menschen her? Welche Vorgeschichte haben Sie? Wir wissen es oft nicht, stellen aber allgemein eine gute Gesundheit fest. Es gab bislang noch keine infektiöse Krankheit und auch noch keine stationäre Aufnahme.

Es kostet aber Kraft und auch Ressourcen, diesem besonderen Bedarf gerecht zu werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ja unser Regelbetrieb ungestört weiter laufen muss, was auch gut funktioniert. Auch die Notfallversorgung ist geregelt und kann trotz des hohen Pensums erfüllt werden. Ein Dauerzustand kann die derzeitige Situation aber nicht sein.

Sehr zugute kommt uns die multikulturelle und internationale Besetzung unseres Hauses. Wir haben Ärzte und Pflegepersonal aus aller Herren Länder hier. Unter anderem auch zwei syrische Ärzte, die natürlich schnell Vertrauen und Sicherheit bei ihren Landsleuten aufbauen. Auch so ein Beispiel ist Dr. Makarem, der aus dem Iran kommt. Er kommt am Wochenende extra aus Bottrop zu uns, um die sonntäglichen Röntgen-Untersuchungen mit durchzuführen.“, freut sich der Chefarzt der Radiologie in Gronau.

Quelle: Westfälische Nachrichten, 24.09.2015